Mondscheinbluete schrieb:Ich habe den Eindruck, ohne es bewerten zu wollen, dass gerade in der Gothic- aber auch in der Hip Hop - Szene auftretend- sehr ungefestigte Charaktere integriert sind, die auf eine Art und Weise ein Problem mit sich selbst innerhalb der Gesellschaft oder Sozialität haben.
*g* ich hab immer gedacht, dass diejenigen (in den meisten fällen, die ich beobachten dürfte) eigentlich mit der gesellschaft nicht klar kommen würden.. und u.a. damit, wie die gesellschaft auf sie reagiert.
ich denke, das eine kann nich so richtig ohne das andere, da die zwei sachen einander bedingen. Wer ne bessere alternativversion hat, möge mit der rausrücken. *keks*[/quote]
Bereits weiter vorne wurde versucht "Szene" zu definieren.
Ursprünglich fanden sich ein paar Leute mit ähnlichen Interessen und "Image" zusammen. Diese bildeten eine Art "coole" Clique, weil sie selbstbewußt und selbstgewählt, über die Masse erhaben am Rand stehen.
Jeder will dazu gehören.
Der entsprechende Stil wird als cool/sexy/hip... gewertet und man versucht sich in der Wahl des eigenen Outfits daran zu orientieren. (Man schaue sich mal die Fotos von einigen Zauberberg-partys an, wie viele "Tine-Look-alikes" da herum liefen.)
Damit wird ein Stil geschaffen, der zugleich eine Art "Wiedererkennungsmerkmal" ist.
Jüngere Generationen schauen zu den "Großen" auf und versuchen sie nachzuahmen, weil sie gern zur Gemeinschaft gehören würden.
In der Pubertät gibt es 2 Wege,mit der eigenen Unsicherheit umzugehen, entweder man versucht möglichst unauffällig zu sein, oder aber man tritt extrovertiert auf.
Ich schließe mich also Mondscheinblüte dahingehend an, daß dieses extrovertiertes Auftreten auch ein Zeichen für einen (pubertäre) Mangel an Selbstbewußtsein ist.
Man versucht zu provozieren, weil man sich (unterbewußt?) einredet, daß sich Ablehnung (oder eigebildete Ablehnung) auf das Outfit begründet und sich diese also nicht mehr auf die eigene Person beziehen muß.
-der schwarze Ledermantel als Schutzschild.
Gerade in dieser Phase schießen viele über das Ziel hinaus, weil sie versuchen, ihre Idole noch zu übertreffen.
So gesehen, legt man es also bewußt darauf an, mit dem Äußeren anzuecken, um sein Inneres zu schützen.
Diejenigen, die daraus irgendwann einen eigenen Stil entwickeln, haben einfach deshalb kein Problem mehr mit dem Outfit anzuecken, weil die Meinung Anderer für sie keine Bezugsgröße mehr ist.
Mondscheinbluete schrieb:Um aber nicht schwach zu wirken, wird die Maske der Arroganz und Ignoranz vorgeschoben, weil sie damit jeden auf Abstand halten und sich selbst abgrenzen.
Ich schließe mich da 1. mal Mieze an: Selbstkrisen sind nicht unbedingt negativ, wichtig ist, wie man mit ihnen umgeht. Und ein Mensch, der es schafft, sich aus einer solchen Krise zu holen ist danach deutlich stärker. Ich habe ehrlich gesagt eher Angst vor Leuten, die solche Krisen nicht kennen.
Zum 2. was die Ignoranz/Arroganz betrifft:
Gerade die Jüngeren, für die die Szene ein Selbstschutz ist, müssen aufgrund der Unsicherheit "arrogant" auftreten. Wenn ich den Menschen von vorn herein mißtrauisch gegenüber trete, verringere ich die Gefahr, mich angreifbar zu machen.
Später haben sich bereits Cliquen gebildet. Die sind in sich stabil und es ist relativ schwierig, in sie hinein zu kommen. Soziale gefüge sind netzförmig organisiert. Wenn man jetzt zufällig auf eine Person stößt, die einen "Knotenpunkt" in einem solchen System/Szene darstellt, ist es relativ leicht, neue Leute kennen zu lernen. Dummerweise haben genau diese leute oft ein sehr selbstsicheres Auftreten, weshalb ein "neuer" sich wohl kaum an sie heranwagen wird.
höflicher Umgang: u.U. schwierig.
Ich schaffe es auf dem Boulevard 2 Meter an guten Freunden vorbei zu laufen, und sie einfach nicht zu sehen.
Wenn ich auf eine Party komme und gleich am Eingang in ein Gespräch verwickelt werde, habe ich mitunter das Problem, daß ich jemanden schon 5-mal gesehen habe bevor ich theoretisch die Zeit hätte, mich ihm zu widmen (Gespräche abwürgen ist ja auch unhöflich). Da find ich es mitunter schwierig zu entscheiden, ab welchem Punkt das Grüßen zur Farce wird...
Ach ja, und wenn man selbst unsicher ist und daher mit Beobachterblick im Raum steht wirkt das nach außen auch arrogant und kaum jemand wird Lust haben ein gespräch zu beginnen.
Kernclique; gibt es glaube ich nicht mehr, dafür ist "die Szene" in Halle einfach zu groß. Vielmehr glaube ich, daß es einzelne "Zentren" gibt. Schematisch vielleicht durch sich überlappende Kreise darzustellen, in deren Mittelpunkt sich ein "Kern" aus wenigen Leuten befindet.
Ach ja, und für meinen Teil entscheidet nicht die Menge der sozialen Bindungen sondern vielmehr deren Intensität über den Wert von Freundschaften...